INTO LIFE

Kareen Dannhauer, Hebamme Kareen Dannhauer, Hebamme

Kareen Dannhauer, Hebamme

Checkliste No. 3

Sonntag, 21. Juni 2009 in der Kategorie Checklisten

Für die Männer während der Geburt


Vieles ist über die Rolle und die Aufgaben von werdenden Vätern im Kreißsaal geschrieben und gedacht worden. Neben allem Helfen-Wollen: Machen Sie sich bewusst, dass Ihre Möglichkeiten im „aktiven Handeln“ sehr begrenzt sind. Eigentlich können Sie nichts tun. Genau das erwarten aber die Frauen ja gar nicht. Und tatsächlich ein Klassiker: Männer, nach der Geburt gefragt, ob Sie irgendetwas haben tun können: „Nö. Außer Nabelschnur durchschneiden – nicht viel“. Und die Frauen als Antwort, was am meisten geholfen hat: „Mein Mann. Dass er da war.“ So einfach ist das manchmal.


  • Als Allererstes: richten Sie den Kreißsaal mit allem ein, was Sie mitgebracht haben, das volle Programm: CD einlegen, Massageöl auspacken und aufschrauben, Kerze anzünden, Tee einschenken, Kissen aufschütteln. So kann man sich nützlich machen und Handeln ist auch immer gut, um die Nervosität abzubauen.

  • Bitten Sie die Hebamme um einen Pezziball und eine Matte sowie um so viele Kissen wie möglich und richten Sie eine „Wehenlandschaft“ ein, die mehr parat hält, als „im Bett liegen“. All das haben Sie in einem guten Geburtsvorbereitungskurs gelernt.

  • Generell: Sie sind der Fels in der Brandung. Tun Sie zumindest so, als ob.

  • Bleiben Sie an der Seite Ihrer Frau und signalisieren Sie ihr, dass Sie da sind. Verabreden Sie es eher so herum, dass sie ein Signal gibt, wenn sie allein sein möchte (was wirklich nicht oft vorkommt). Wenn Sie kurz rausgehen möchten, kündigen Sie das Ihrer Frau an und sagen Sie ungefähr, wann Sie wiederkommen. Sagen Sie auch der Hebamme Bescheid, damit auch sie weiß, dass Ihre Frau gerade allein ist.

  • In Situationen, in denen Ihre Frau dazu nicht in der Lage sein sollte, vermitteln Sie zwischen der Hebamme und Ihrer Partnerin.

  • Achtung, „Faszination Technik“: Beobachten Sie die Wehen an Ihrer Frau, nicht am CTG. Augenkontakt behalten! Auch die Herztonüberwachung Ihres Babys übernimmt die Hebamme, das müssen Sie nicht. Man kann auch den Herzton-Lautsprecher leise- oder ausdrehen, wenn es Ihnen subjektiv zu laut oder zu sehr im Fokus der Aufmerksamkeit zu stehen scheint (vorher mit der Hebamme absprechen).

  • Keine Fachsimpelei mit Hebamme / Arzt. Das Gespräch (sowohl mit Ihrer Frau, als auch mit Betreuenden) bei Wehenbeginn unterbrechen.

  • Wenn Sie ernsthafte Sorgen haben, „ob alles o.k. ist“, zögern Sie nicht und fragen Sie das die Hebamme. Am besten draußen vor der Tür.

  • Klären Sie mit dem Personal, ob es auch für Sie einen Platz gibt, an dem Sie sich ausruhen und Kraft schöpfen können, sich erfrischen, duschen, .... (Eine Geburt kann dauern. Lange.)

  • Gönnen Sie sich Pausen, wenn Sie sie brauchen: an die frische Luft gehen, zwischendurch etwas essen, telefonieren, einen Espresso.

  • Allerdings: keine Knoblauchsalami, Zigaretten, etc. – und/oder ausreichend Kaugummis! Frauen unter der Geburt sind noch geruchsempfindlicher als sonst.

  • Geben Sie ruhig Anregungen, wenn die Geburtssituation festgefahren erscheint. Wenn Sie – durch das, was Sie zum Beispiel im Geburtsvorbereitungskurs oder sonstwo gehört haben - den Eindruck haben, ein Ortswechsel (z.B. Badewanne oder Pezziball) oder eine andere Körperhaltung (knien, Vierfüßler) könnte die eingefahrene Situation wieder beleben – vorschlagen, und auch die Hebamme konkret danach fragen!

  • Ermutigen Sie Ihre Frau. Erzählen Sie ihr von den Fortschritten. Vermitteln Sie ihr, dass sie es schafft und alles wunderbar macht. Wenn es sein muss, nach jeder Wehe.

  • Was Sie noch tun können (natürlich in Absprache mit Ihrer Partnerin): Hilfe bei Lageveränderungen / Wehenpositionen, beim Aufstehen, Gang zur Toilette. Die Lippen / das Gesicht / die Stirn mit einem dicken Waschlappen kühlen oder befeuchten. Das Kreuzbein massieren. Schmerzpunkte massieren. Festhalten. Motivieren. Anspornen. Beschwichtigen. Bestärken. Mitatmen. Halt geben. Liebkosen. Hand halten. Äpfelschütteln. Wasser, Tee anbieten.

  • Alles Wohlmeinende kann in dieser Grenzsituation aber auch einmal zu viel sein: Rechnen Sie dabei durchaus mit unwirschen Reaktionen Ihrer Partnerin. Sie wird Ihnen sehr authentische Hinweise geben, was gut tut – und was nicht. Und manchmal ist „still daneben sitzen“ eben genau das, was gerade richtig ist.

von Kareen Dannhauer

0 Kommentare

Kommentare sind deaktiviert
Seitenanfang ↑