Alle schwangeren Frauen haben von ihnen gehört und viele suchen wieder und wieder ihren schönen, sich rundenden Körper nach ihnen oder nach vermeintlichen Vorboten ab: Schwangerschaftsstreifen.
Diese Dehnungsstreifen sind sichtbare Erscheinungen im Bindegewebe der Unterhaut. In der medizinischen Fachsprache heißen diese in der Schwangerschaft entstehenden Dehnungsstreifen Striae gravidarum (Streifen der Schwangerschaften). Sie treten vor allem an Bauch, Hüften, Po und Busen auf. Sie sind manchmal kaum in ihrer Farbigkeit von der umgebenden Haut zu unterscheiden und bilden nur feine Rillen, manchmal schillern sie deutlich rötlich, purpurn oder lila. Diese Färbung wird durch durchscheinende Blutgefäße hervorgerufen.
Im Laufe der Wochen und Monate nach der Schwangerschaft verblassen die Streifen und werden etwas kleiner, sie bleiben aber als helle, silbern-perlmuttfarbige Narben für den Rest des Lebens sichtbar.
Laut Literaturangaben bekommen 90 % aller Frauen Dehnungsstreifen – eine Mehrheit von Ihnen allerdings weit vor der Schwangerschaft, nämlich schon in der Pubertät. Diese sind meistens sehr zart und dünn, häufig sieht man sie an Oberschenkeln und Hüften, typische „Wachstumsstreifen“.
Wegen dieser immer wieder veröffentlichten und so hoch anmutenden Zahl erscheint es Frauen, die in der Schwangerschaft nicht von Schwangerschaftsstreifen betroffen sind, wie unglaubliches Glück oder Lohn ihrer disziplinierten Massage-, Einöl-, Zupf- oder sonstigen Rituale. Dazu später mehr. Weil ich nach einiger Literaturrecherche keine für mich als Hebamme nachvollziehbaren Zahlen gefunden habe, ziehe ich hier einmal mehr meine Berufserfahrung und meine so genannte „gefühlte Empirie“ zu Rate: In Wirklichkeit bekommen nur etwa 10 - 15 % aller Frauen gravierende (also auch für andere als die Frau selbst sichtbare) Schwangerschaftsstreifen in der Schwangerschaft. Nehmen Sie es zunächst einmal als entspannende Wahrheit. Und: es kommt wirklich auf viele Faktoren an.
Ein ganz wesentlicher ist das Alter der schwangeren Frau: Sehr junge Schwangere (um die 20 Jahre) haben ein wesentlich höheres Risiko, Streifen zu bekommen als Frauen um die 35. Die einfache Erklärung: Im Laufe der Jahre produziert der Körper immer weniger Kollagen im Bindegewebe. Kollagene Fasern, die nicht mehr (in dieser Vielzahl) vorhanden sind, können nicht in diesem Maße auseinanderweichen und sichtbare Streifen verursachen.
Das Bindegewebe und die Hormone: schuld an so vielem im Frauenleben
Ob nun Cellulite, Besenreiser oder Pubertäts-Dehnungsstreifen: Irgendetwas davon hat jede. „Schwaches Bindegewebe“ heißt es dann. Und so ist sich jede Frau der Welt sicher, sie habe besonders große Chancen, jede Menge Schwangerschaftsstreifen zu entwickeln. Das Bindegewebe ist für die Elastizität der Haut verantwortlich. Es besteht aus einem Netzwerk von kollagenen und elastinen Fasern. Treffen nun eine Reihe von Faktoren, wir bleiben der Einfachheit halber zunächst mal bei diesem einen (der in der Tat nicht der entscheidene ist!): Dehnung auf dieses kollagene Netzwerk, kann Folgendes geschehen: Die Fasern weichen auseinander und es entstehen feine Risse. Dabei entstehen dann diese streifenartigen, sichtbaren Schäden in der Unterhaut.
Wenn sich Streifen entwickeln, dann bilden sie sich plötzlich und ohne Vorwarnung. Ganz selten vor der 16. Schwangerschaftswoche, die meisten erst in den allerletzten Wochen oder gemeinerweise sogar Tagen der Schwangerschaft.
Warum bekommen nun aber die einen Frauen Streifen und die anderen nicht? Wie schon erwähnt: eine große Rolle spielt das Alter. Sehr übergewichtige Frauen bekommen häufiger und mehr Schwangerschaftsstreifen. Ansonsten gilt einmal mehr das Gleiche wie so oft im Leben: eine Mischung aus Veranlagung (Vererbung spielt ebenso wie Haut- oder Haarfarbe bei Schwangerschaftstreifen keine Rolle) und einer Reihe von weiteren Faktoren, an denen man ebenso – rein gar nichts ändern kann.
„Die Hormone“ sind die zweiten üblichen Verdächtigen. Aber schwanger (und somit gesegnet mit einer reichlichen Ladung an „Schwangerschaftshormonen“) sind ja alle, die, die Streifen bekommen, und die, die keine bekommen, auch. Dennoch sind diese Hormone quasi eine Voraussetzung für Dehnungsstreifen: Menschen sind in Zeiten stark schwankender Hormonverhältnisse (und dazu gehört die Schwangerschaft, aber eben auch, wie oben schon einmal erwähnt, die Pubertät) besonders geneigt, Dehnungsstreifen zu bekommen. Hormone beeinflussen die Proteinproduktion der Fibroblasten (das sind die Hautzellen, die Elastin und Kollagen produzieren) und somit die Qualität und Quantität der Elastin- und Kollagenfasern.
Cortisol
Die Hauptrolle in diesem hormonellen Geschehen scheint das Cortisol zu spielen. Es wird in der Nebennierenrinde gebildet und ist auch als "Stresshormon" bekannt. Ich würde „Stress“ hier im Schwangerschaftskontext gerne definieren als „Zeit erhöhter Anforderung“. Eine lebenswichtige Wirkung des Cortisols besteht darin, die körpereigenen Mechanismen bei der Bewältigung von Entzündungen und Infekten zu ermöglichen und zu unterstützen. Daneben hat das Cortisol noch eine andere wichtige Aufgabe, und zwar die Bereitstellung von Glukose zur Lieferung zusätzlicher Energie für den Körper in diesen Zeiten „erhöhter Anforderung“. All dies: sehr sinnvolle Wirkungsweisen, die den erhöhten Cortisolspiegel in der Schwangerschaft erklären. Der Streifenmechanismus geht dann so: Der Körper baut eigenes Körpereiweiß ab, um mehr Glukose und damit "mehr Energie" zu bekommen. Diesen Prozess nennt man Eiweißverzuckerung. Dieses Eiweiß wird dann auch aus dem Bindegewebe der Haut entnommen. Die Haut wird dünner, im kollagenen Geflecht instabiler und es bilden sich feine Risse.Ernährung
Eine ausgewogene und gesunde Ernährung ist – nicht nur der Elastizität des Bindegewebes und der Vorbeugung von Schwangerschaftsstreifen - zuträglich. Das kollagene Bindegewebe besteht hauptsächlich aus Aminosäuren. Den erhöhten Eiweißbedarf in der Schwangerschaft decken Sie leicht über hochwertige und gesunde Eiweißlieferanten wie Mozzarella oder Hüttenkäse, Tofu, Hülsenfrüchte und mageres Fleisch, am besten über den Tag verteilt. Das Kollagen wird in der Haut von den Fibroblasten gebildet. Bei diesem Syntheseprozess spielt auch Vitamin C eine wichtige Rolle. Ebenso bekannt ist, dass eine überwiegend kohlenhydratlastige Ernährung (mit vielen hochglykämischen Nahrungsmitteln wie Weißmehl und reinem Zucker) schwankende Blutzuckerspiegel provoziert – und damit die Cortisolausschüttung triggert (was auch noch viel weitreichendere Folgen haben kann, Stichwort: verminderte Glucosetoleranz, dazu in einem anderen Kapitel mehr).Prophylaxe
Bei aller „Schicksalshaftigkeit“: ein paar vorbeugende Maßnahmen sind möglich und in vielerlei Hinsicht sinnvoll. Bei allen nachstehenden Dingen gilt: Seien Sie sanft zu sich!Trockenbürsten mit einer weichen Sisalbürste oder ein sanftes „Zupfen“ der Haut (leichtes Anheben der Haut mit leichtem „Rollen“ zwischen den Fingern) regen die Durchblutung im Bindegewebe an – und aktivieren das ganze Kreislaufsystem. Wechselduschen haben denselben Effekt. Letzteres tut auch dem belasteten Venensystem gut und bietet an den Beinen gleichzeitig eine gute Krampfader-Prophylaxe. Oft wird in diesem Kontext über das „Verbot“ von Massage bei der Neigung zu Kontraktionen geschrieben. Meiner Erfahrung nach sind Frauen, die häufiger Kontraktionen haben als andere, ohnehin sehr verunsichert. Sie trauen sich nicht mehr zum Yoga (manche sogar nicht mehr zum Geburtsvorbereitungskurs, weil der Arzt ihnen „Gymnastik“ verboten hat), trauen sich nicht mehr, Sex zu haben, meiden jeden Spaziergang und trauen sich schlussendlich auch nicht mehr, ihren Bauch (und damit das Baby!) „richtig anzufassen“. All dies führt zu einer weiteren Entfernung von der Körperlichkeit und dem so wichtigen Gefühl, sich zu trauen (im doppelten Sinne). Noch einmal: Seien Sie sanft! Es geht im Falle der Streifen um die Haut. Bei wirklichen vorzeitigen Wehen (das sind Kontraktionen, die einen Effekt auf den Gebärmutterhals und/oder Muttermund haben) sollten Sie sich auf leichtes Einölen und Streichen der Haut beschränken. Bestimmt haben Sie auch hier ein gutes Gefühl dazu, ob Ihre Gebärmutter darauf mit „Hartwerden“ reagiert und richten sich in der Intensität der Zuwendung danach. Sind sie unsicher oder haben ein ungutes Gefühl: Lassen Sie es einfach. Streifen oder nicht: Es hängt sehr wahrscheinlich nicht daran.
Öle
Für die Pflege der besonders dankbaren Regionen von Bauch, Busen und Po eignet sich ein Öl ganz besonders. Es fühlt sich weich auf der Haut an und bleibt für die Zeit der Massage auf der Haut. Es ist besonders nahrhaft und pflegend und nimmt unangenehmes Spannungsgefühl und manchmal daraus resultierenden Juckreiz. Achten Sie auf eine gute Qualität der Inhaltsstoffe. Die Haut nimmt einen Großteil davon ins Innere des Körpers auf. Benutzen Sie ausschließlich pflanzliche Öle. Kaltgepresst bleibt ein hoher Anteil wertvoller Substanzen wie Omega-Fettsäuren, Vitamine und viele weitere Spurenelemente, die der Haut bei all diesen Umstellungsprozessen helfen, erhalten. Biologischer Anbau garantiert Ihnen, dass Sie keine Pestizide fürchten müssen und wertvolle Ressourcen der Natur geschützt werden. Verschiedene Öle oder Extrakte sind mittlerweile gut untersucht in ihrer Wirkung auf das Bindegewebe.In den INTO LIFE-Produkten verwenden wir eine Kombination aus besonders nährenden Ölen (Mandel, Jojoba, Macadamia) sowie Wirksubstanzen wie Hagebuttenkernöl (Rosa moschata) und Tigergrasextrakt (Centella asiatica). Hagebuttenkernöl hat einen besonders hohen Anteil von mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die die Elastizität der Haut verbessern und es verstärkt die Durchblutung der Mikrogefäße in der Haut. Besonders effektiv scheint auch Tigergras zu sein: Das titrierte Extrakt aus dem asiatischen Centella-Gras wirkt stimulierend auf den Kollagenstoffwechsel der Haut und erhöht deren Elastizität. Zudem hat es eine festigende und straffende Wirkung. Auch einige ätherische Öle entfalten eine positive Wirkung auf das Bindegewebe der Haut. Dies sind beispielsweise Grapefruit, Zitrone, Benzoe und Neroli.
Vor allem ist das Einölen, Streichen, Massieren ein wunderschönes Ritual – für Sie, für den Bauch, für Ihr Baby. Es macht die sich so sehr verändernde und oft noch ungewohnte Körperlichkeit zu einem sinnlichen Erlebnis – und schafft Kontakt zu sich selbst und zu dem kleinen, so nahen und gleichzeitig noch ein bisschen fremden Wesen, das in Ihrem Bauch wächst. Genießen Sie es einfach, sich selbst etwas Gutes zu tun und freuen Sie sich an vielen kleinen Wohlfühloasen …
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von Kareen Dannhauer

