Into Life

Kareen Dannhauer, Hebamme

INTO LIFE - Besonderes für andere Umstände - Kareen Dannhauer, Hebamme

Blog

Hier im Blog von INTO LIFE finden Sie dies und das zu den Kategorien rechts und meinem Hebammenleben und was mir sonst noch zum Thema über den Weg läuft …

Warum trinken Frauen überhaupt Schwangerschaftstee? Oder: Warum sollten sie welchen trinken? Sollten sie überhaupt? Für meinen Geschmack fangen viele Dinge, die eine Frau in der Schwangerschaft tut oder lässt mit diesem Wort “sollen” an. Was mir per se überhaupt nicht sympathisch ist. Aber was ist denn nun dran an diesen Tees und wofür sind sie gut?

Bevor ich gleich weiter unten ein paar verschiedene Schwangerschaftstees vorstelle, erst einmal ausgehend von den unschwanger gewohnten Heißgetränken:

1. Kaffee. Trinken viele Frauen natürlich auch in der Schwangerschaft. Oft aber mit einem Gefühl von leisem schlechten Gewissen. Es gibt wenige valide Untersuchungen darüber, mit wie so oft widersprüchlichen Aussagen. Sie münden oft in dem Rat: 1-2 Tassen am Tag sind o.k. Und in der Frühschwangerschaft haben Frauen mit einem sehr hohen Kaffeekonsum (mehr als 5 Tassen am Tag) ein leicht erhöhtes Fehlgeburten-Risiko. Und komischerweise ist ein sehr häufiges Frühschwangerschafts-Symptom eine deutliche Unlust auf Kaffee …

2. Schwarzer Tee. Hier weiß man, dass die im schwarzen Tee enthaltenen Gerbstoffe die Eisenaufnahme aus der Nahrung reduzieren. Der Eisengehalt im Blut sinkt bei Schwangeren ja physiologischerweise ein wenig ab, und um diesen Prozess im Rahmen zu halten, rät man auch beim schwarzen (und grünen und weißen) Tee zum Genuss in Maßen.

3. Phantasietees. Quitte/Granatapfel/Feige und sonstigen Zeitgeist-Aromen: Meist ein wüster Mix aus der Chemie-Aromakiste. Sobald man das weiß, schmecken sie auch nur noch halb so gut – und sind einem spätestens in der Schwangerschaft zu Recht nicht so wirklich sympathisch …

4. Kräutertee. Gibts genau so viele wie Sand am Meer. Mit den unterschiedlichen beschriebenen, meist traditionell überlieferten Wirkungen. Es gibt welche, die schmecken wie Heu und andere, die sind richtig lecker.

Und nun leben Hebammen ja in einer jahrtausendalten Tradition “weiser und kundiger Frauen”, die sich mit all diesen Kräutern besonders gut auskannten und auskennen. Und deshalb gibt es schon genauso lange auch Tees, die eben besonders gut auf die Bedürfnisse in anderen Umständen abgestimmt sind. Und so gibt es natürlich mittlerweile diverse Rezepturen für Schwangerschaftstees. Ich habe auch welche, eigene, entwickelt, vor einigen Jahren in meiner Praxis in Hamburg.

Der Hauptgrund war: Ich wollte beides vereinen. Uraltes Hebammenwissen – und ich wollte endlich Schwangerschaftstee anbieten (und sehr bald auch selber trinken :-) , der auch wirklich schmeckt, und nicht nur aus Vernunft getrunken wird. Denn das ist ja wohl eines der ersten Kriterien bei der Auswahl eines Getränks: Es soll gefälligst lecker sein.

Und so sind bisher drei Sorten Schwangerschaftstee entstanden, die beides können: wirken und schmecken. Drei Sorten, weil verschiedene Kräuter in den verschiedenen Phasen und bei verschiedenen Bedürfnissen in der Schwangerschaft auch unterschiedlich zusammengestellt sind. Achso, und weil keine Schwangere irgendwelche Pestizid-Reste riskieren möchte, das Ganze bitteschön in Bio-Qualität!

GUTER HOFFNUNG 1 ist ein wirklich superleckerer Tee für die gesamte Schwangerschaft. Mit Frauenmantel, Melisse, Brennessel, Johanniskraut, klassisch. Und mit ganzen Rosenknospen, Orangenschalen und Lemongras, lecker. Himbeerblätter sind auch drin, allerdings in einem geringen Anteil von 12 %.

Gegen Ende der 35. SSW kommen dann die geburtsvorbereitenden Kräuter, an erster Stelle Himbeerblätter, aber auch Verbene, mehr in den Vordergrund. Die haben einen hohen Anteil (zusammen 50 %) in GUTER HOFFNUNG 2.

NEUN MONDE ist dagegen ein Tee, der ganz besonders unterstützend wirkt bei Stress, Anspannung, viel Wirbel im Innen und Außen. Zum Entspannen und für mehr Gelassenheit. Mit vielen feinen Blüten (Orange, Linde, Rose, Lavendel) und frischer Zitronenmelisse. Ganz ohne Himbeerblätter.

Und hier gibt es nochmal die Übersicht aller INTO LIFE Schwangerschaftstees und hier eine Auflistung aller Kräuter, die in den Tees enthalten sind.

Wenn Ihnen also danach ist, einen Tee zu trinken, der genau für Ihre besonderen Umstände zusammengestellt wurde, und Sie genau damit das Gefühl haben, Sie tun sich etwas Gutes – ist ein guter Schwangerschaftstee genau richtig für Sie. Wenn nicht: müssen Sie – wie an all diesen Stellen – gar nichts :-)

In loser Folge finden Sie hier im Blog auch Themen, die mir in meiner täglichen Hebammenarbeit immer wieder begegnen. Fragen aus den Geburtsvorbereitungs- oder „Leben mit einem Kind“-Kursen, oder Dinge, die nach der Geburt, in der ersten Zeit zu Hause, immer wieder auftauchen. FAQ´s an die Hebamme, sozusagen.

Eine häufige Frage, wenn es VOR der Geburt um das Thema „Schmerzen während der Geburt“ geht, dreht sich um die verbreitete Tatsache, dass schwangere Frauen von ihrer Umwelt nicht gerade in Ruhe gelassen werden, was (oft ungefragt) anzuhörende Geburtserlebnisse angeht. Hier wird dann auch nicht mit Details gespart. Zu dem Geburt in Sachen Schmezen also zum Beispiel so: „Ich habe dann endlich nach 6 (8, 20) Stunden eine PDA gekriegt. Das war so toll, mach das bloß von Anfang an. Ich hätte nicht gewusst, wie ich das OHNE je hätte schaffen können. Hat dann ja immer noch 3 (6, 10) Stunden gedauert.“

Zur Frage „Warum tut eine Geburt überhaupt weh und ist man nicht vollkommen blöd, das freiwillig auszuhalten“ werde ich sehr bald einen ausführlichen Artikel im Magazin schreiben.

Und um den Phantasien, Hebammen fänden PDA´s sowieso überflüssig und täten alles, um sie den Frauen auszureden, eins vorweg: eine PDA im richtigen Moment ist Gold wert und ich bin sehr froh, im 21. Jahrhundert Hebamme zu sein.

Das Entscheidende, bezogen auf die obige Frage, ist die Tatsache, dass eine PDA massiv in das hormonelle Geschehen einer Geburt eingreift – weil eben der Schmerz fehlt. Ohne diesen Schmerz -keine Endorphine. Diese (zusammen mit dem Oxytocin, dessen Ausschüttung dann ebenfalls blockiert wird) sind überhaupt erst die Voraussetzung, dass eine Frau in einen sehr speziellen psycho-emo-mentalen Zustand gerät: sozusagen in Gebärtrance. Und in diesem Zustand ist alles möglich. Alles! Sogar gebären, wie unvorstellbar auch immer das scheint. Die intellektuelle Gedankenwelt (neurologisch gesprochen: die Stimulation der Hirnrinde, der Neokortex) wird dabei nahezu vollkommen ausgeschaltet. Und so schafft man das mit den Schmerzen „irgendwie“. Sobald allerdings dieser (übrigens fragile und durchaus störanfällige) Zustand aufgehoben ist, setzt rationales Denken wieder ein. Und die Schmerzschwelle sinkt drastisch. Was dann zur Folge hat, dass eine Frau, deren PDA-Dosis (eine hält etwa eineinhalb bis zwei Stunden, dann wird bequem nachdosiert) langsam abnimmt, die Wehen wieder spürbar werden, denkt (vollkommen zurecht): „Oje, und diese Schmerzen, noch viiiiel doller, habe ich zuvor stundenlang ausgehalten. Ich muss total blöd gewesen sein“. Nö, war sie nicht. Nur in diesem besonderen und psychedelischen Zustand und auch nicht mehr ganz auf dieser Welt. Genau richtig zum Gebären. Und Frauen, die ohne PDA ihre Kinder bekommen haben, denken höchst selten (aber auch das kommt vor, allerdings vor allem dann, wenn der Eindruck entstand, die PDA wurde ihnen aus irgendeinem Grund vorenthalten): „Hätte ich das doch mit PDA gemacht“.

Und genau daran schließt sich eine weitere Frage an: „Ich habe gehört, es gibt einen Moment, da ist es dann zu spät für eine PDA. Könnte die Hebamme mir nicht freundlicherweise Bescheid sagen, kurz bevor dieser Moment kommt“? Diese Frage beantworte ich demnächst hier an dieser Stelle.