Into Life

Kareen Dannhauer, Hebamme

INTO LIFE - Besonderes für andere Umstände - Kareen Dannhauer, Hebamme

Vorbereitungen vor der Geburt

4. Mai 2011

Neben allem, was ein Baby so braucht, ist dies eine Liste an Dingen, die sinnvollerweise zu erledigen sind, bevor das Baby kommt. Außer Kinderwagen aussuchen, Wickelkommode zusammenschrauben und Strampler kaufen (dafür gibt’s eine Extra-Liste). Eins vorweg: das Wochenbett ist anstrengend, für Sie alle drei. Und wie so oft im Leben ist es einfach ein gutes Gefühl und es hilft wirklich, in ganz einfachen Dingen vorbereitet zu sein.

Für die Männer:
Nehmen Sie sich rechtzeitig Urlaub für die Zeit nach der Geburt, rechtzeitig mit Kollegen / Partnern / Vorgesetzten absprechen. Zwei bis drei Wochen sind eine realistisch benötigte Zeit. Im besten Fall heißt Urlaub auch: nicht erreichbar sein müssen. Unterschätzen Sie das nicht. Es gibt wenig, was eine Frau im Wochenbett mehr auf die Palme bringt, als ein Mann, der ständig heimlich E-Mails checkt. Dann lieber: Eine (oder zwei) klar umrissene Stunden arbeiten und dann wieder „ganz da“.
Wenn Urlaub nicht möglich ist, brauchen Sie auf jeden Fall eine Haushaltshilfe – und zwar in der ersten Woche nach der Geburt acht Stunden pro Tag, in der zweiten vier, in der dritten sporadisch! Das ist komplett mein Ernst – aus Erfahrung weiß ich, dass fast alle Paare dies vorher für total übertrieben halten (genau so, wie generell die erste Zeit von der zweiten Lebenswoche an total unterschätzt wird im Sinne von: „man kommt zu gar nichts“. Dazu an anderer Stelle mehr) – und dann vollkommen überfordert sind in der konkreten Situation (und dann vor allem so schnell niemanden finden). Frauen nach der Geburt können sich nicht (gar nicht!) um Kochen und Haushaltsarbeiten kümmern, geschweige denn um Einkäufe etc. Gleichzeitig ist eine gute und reichhaltige Versorgung (auch aus „medizinischer Sicht“!) dringend notwendig, um nach der Geburt wieder zu Kräften zu kommen. Wochenbett heißt Wochenbett, weil Frauen sich dort vorwiegend aufhalten. Adressen erhalten Sie von Ihrer Krankenkasse oder über Google (Pflegedienst, ambulant, Haushaltshilfe).
Dies dient auch dazu, dass nicht Sie all diese Pflichten übernehmen müssen, sondern auch Zeit bleibt für Sie beide (drei).
Kurz vor dem errechneten Termin: Das Auto sollte stets halbwegs voll getankt sein (und die Batterie im Winter auch!). Den Weg zum Krankenhaus oder zum Geburtshaus mindestens ein-, zweimal abfahren, wenn er zuvor unvertraut ist. Auch Umwege, Dauerbaustellen etc. bedenken. Oder das Navi hilft …
Ihre Partnerin sollte immer wissen, wie Sie erreichbar sind. Handy immer mitnehmen.
Denken Sie sich schon mal ein angemessen großartiges Geschenk für Ihre Frau aus – sie ist die wundervollste der Welt …

Für beide:
Grundsätzlich: Schieben Sie nicht alles auf den letzten Drücker auf nach dem Motto: „Wir haben ja noch so viel Zeit“. Erstens gibt es sehr wohl Kinder, die sich früher als gedacht auf den Weg machen. Zweitens vergehen die letzten Wochen oft wie im Flug. Und drittens ist es schön, die letzten Wochen der Schwangerschaft in dem Gefühl zu genießen, dass wirklich alles fertig ist. Also zumindest: Wickelkommode aufgebaut und Wärmestrahler angedübelt, Schlafplätzchen fürs Baby und ein gemütliches gemeinsames Schlafzimmer. Ein paar Sachen zum Anziehen, klar, Kinderwagen zumindest bestellt. Der Rest, außer den folgenden Dingen, ist Kür und Geschmacksache.
Besorgen Sie schon mal alle Formulare für Kindergeld und Elterngeld (lassen sich bequem downloaden) und füllen sie weitestmöglich aus. Allein die Verdienstbescheinigung ist eine Sache für sich, wo auch so manche Personalabteilung überfordert ist. Bei Selbständigen und Freiberuflern lohnt sich in jedem Fall ein (frühzeitiger!) Besuch beim Steuerberater. Für die Berechnung der Anspruchshöhe ist sowieso eine „amtliche“ Bescheinigung notwendig, „selbst geschriebene“ BWA´s oder EÜR´s reichen nicht aus. Informieren Sie sich schon mal über die Möglichkeiten der Krankenversicherung für das Kind (über die Mutter oder den Vater)
Kümmern Sie sich rechtzeitig um eine Hebamme für einen Geburtsvorbereitungskurs (dieser sollte so etwa sechs bis drei Wochen vor dem ET zu Ende sein, anmelden um die 20. SSW herum). Ein guter Geburtsvorbereitungskurs hilft sehr und tut auf verschiedenen Ebenen das, was der Name schon sagt: Er bereitet Sie vor. Mit albernem Herumgehechel haben die meisten nichts zu tun. Sie werden gemeinsam eine Grenzerfahrung (im Kreißsaal, nicht im Kurs) machen – und da sind ein paar Informationen aus erster Hand wirklich angemessen. Und gehen Sie gemeinsam dorthin – der Kurs sollte zumindest einige Partnertermine enthalten (schleppen Sie Ihren Mann mit, wenn nötig. Wer mit möchte in den Kreißsaal, muss auch mit zur Geburtsvorbereitung).
Gleiches gilt für die Betreuung im Wochenbett: Kümmern Sie sich auch hier frühzeitig, fragen Sie im Freundinnenkreis herum. Gute Hebammen sind schnell ausgebucht!
Etablieren Sie schon ein paar Wochen vor der Geburt ein paar Dinge zur Entlastung des Alltags (tun Sie es wirklich!), wie z. B. Putzfee, Bestellservice (Bio-Kiste, Drogerie- und Supermarkt liefern für ein paar Euro das komplette Sortiment!, Essen-Bringdienst, Tiefkühlvorrat … alles schon mal ausprobieren und genießen, wie einfach das ist!)
Alles, was im nächsten halben Jahr dringend zu erledigen ist: jetzt machen. Steuererklärung, Kleiderschrank ausmisten, Fotos sortieren, … Zu all dem kommen Sie so schnell nicht wieder. Sollte ein Umzug geplant sein: immer vor der Geburt (die schwangere Frau fährt währenddessen mit der besten Freundin ins Wellnesshotel). Aber: im ersten Lebensjahr braucht ein Kind definitiv kein Kinderzimmer!
Richten Sie einen „Ersatz-Schlafplatz“ irgendwo in der Wohnung ein für turbulente Nächte, damit Sie zumindest abwechselnd zu etwas Schlaf kommen. Eine Ausweichmatratze ist kein Zeichen für eine Ehekrise, sondern das denkbar Vernünftigste dann und wann.
Probieren Sie den Baby-Autositz unter Original-Bedingungen aus, damit Sie bei der ersten Fahrt wissen, wo und wie man die Gurte einfädelt (und nicht erst im strömenden Regen auf dem Klinikparkplatz). Ist nicht schwer, muss man aber einmal gemacht haben.
Vier Wochen vor dem errechneten Termin die Kliniktasche packen. Foto-Akku aufladen. Telefonliste mit den wichtigsten Nummern (Kreißsaal, Hebamme, beste Freunde, Familie) im Telefon speichern und ein paar Versionen ausdrucken und z. B. ins Portemonnaie legen.
Treffen Sie sich kurz vor der Geburt noch einmal mit Ihrer Wochenbett-Hebamme, um über die ersten Tage nach der Geburt zu sprechen. Sie gibt Ihnen noch einmal die wichtigsten Tipps, was vielleicht noch zu besorgen ist.
Für die Geburt selbst: Überlegen Sie ruhig gemeinsam so etwas wie einen „Geburtsplan“, so etwas wie eine Wunsch-Version: Schreiben Sie auf, wie Sie sich den Verlauf der Geburt vorstellen, welche Wünsche Sie haben, welche Medikation Sie in Erwägung ziehen oder ausschließen wollen, welche Geburts-Positionen Ihnen sinnvoll oder „bequem“ erscheinen, kommt eine Wassergeburt in Frage, was möchten die Männer ansehen oder miterleben, oder was eben genau nicht, was möchten die Frauen, was nicht … Je mehr Sie über die Vorstellungen des anderen wissen, umso besser. Die Männer sind möglicherweise für die Durchsetzung einzelner Wünsche verantwortlich, die Frauen können das während der Geburt nicht.
Besprechen Sie diesen Plan dann vor der Geburt mit der Hebamme, am besten bald nach dem Ankommen im Krankenhaus.
Seien Sie sich darüber im Klaren, dass es sich um eine Wunsch-Version handelt, und dass es oft ganz anders kommt als gedacht …

Für die Frauen:
Die „To-Do-Liste“ für die Frauen ist gar keine ?
Viele Frauen begegnen dem Mutterschutz mit gemischten Gefühlen. Der Abschied von der Arbeit ist einerseits schön, weil jetzt viel Wichtigeres kommt – andererseits bedeutet es auch so etwas wie „Abschied von einem Teil des alten Lebens“, das man ja auch gerne mochte. Erstmal dort angekommen: Genießen Sie es! Kaufen Sie mitten in der Woche vormittags Balkonblumen auf dem Wochenmarkt. Dann ins Lieblingscafé. Mittagsschlaf. Tun Sie alles, was Ihnen gut tut, zu dem Sie sonst nicht kommen. Gehen Sie zum Yoga. Kleben Sie Fotos ein. Räumen Sie Ihr Badezimmerschränkchen auf. All so was.
Die Freiberuflerinnen unter Ihnen versuchen vermutlich „ordentlich vorzuarbeiten“ und „fürs Elterngeld“ noch mal richtig reinzuhauen. Das ist anstrengend, kaum eine von Ihnen wird einen „richtigen Mutterschutz“ haben. Deshalb umso wichtiger: Schaffen sie sich klar definierte Oasen, in denen es nur um Sie geht und das Schwanger-Sein.
Wenn Sie überlegen, Fotos von Ihnen mit schwangerem Bauch machen zu lassen: machen Sie´s! Gönnen Sie sich jemand richtig guten, vielleicht bei Ihnen zu Hause?
Kaufen Sie ein supersüßes Erstlingsensemble für das Baby. Natürlich wird man ab jetzt arm sein mit nur einem Einkommen und einem Kind. Man kann an vielen Ecken Geld sparen. Aber ein Lieblings-Schnuckel-Outfit muss drin sein. Sie werden es Ihr Leben lang aufbewahren und sich immer daran erinnern.
Umgeben Sie sich mit Schönem. Nehmen Sie sich Zeit im Bad. Schreiben Sie Tagebuch.
Gehen Sie unbedingt nahe am Termin noch mal zum Friseur. In den Wochen nach der Geburt werden Sie nicht dazu kommen. Und wie fühlt man sich, nächtelang ohne Schlaf, kein richtiges Frühstück, das letzte frische T-Shirt vollgespuckt – und dann noch ein Bad-Hair-Day? Eben.
Seien Sie viel draußen, genießen Sie die Natur und die Jahreszeit, die gerade ist. Sie werden sie so intensiv wahrnehmen wie nie zuvor. Und sich in ziemlich genau einem Jahr auf ganz besondere Weise daran erinnern …

von Kareen Dannhauer

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