Nahrungsergänzung in der Schwangerschaft

09. Februar 2018

Eine der häufigsten Fragen, die mir in der frühen Schwangerschaftsbetreuung gestellt werden, ist die nach sinnvollen oder nicht sinnvollen Nahrungsergänzungsmitteln. Dies soll ein kurzer Artikel werden, mit konkreten Empfehlungen und Mengenangaben. Das wird diesem Thema natürlich nicht gerecht. Natürlich ist es eigentlich sinnvoll, genau zu wissen, warum einzelne Nährstoffe wichtiger sind als andere. Je nach individueller Geschichte (damit meine ich gar nicht in erster Linie Deine Ernährungsgewohnheiten, aber die auch), mag es sinnvoll sein, auch noch an anderen Baustellen zu schauen.

Recht ausführlich wird dieses Thema auch im Ernährungsteil von Guter Hoffnung auf ungefähr 40 Buchseiten erklärt.

Nach und nach werden hier im Blog weitere Artikel zu den einzelnen Nährstoffen erscheinen, aber das wird sicher auch noch etwas dauern. Dies ist also der Versuch, das Thema erstmal kurz auf das Wesentliche zusammengefasst darzustellen. Wenn Du meine Meinung dazu hören möchtest, was ich empfehle oder auch für mich persönlich so handhaben würde, und welche Präparate genau eine Idee wert sein könnten: Das wäre dies.

// Dieser Artikel enthält konkrete Nennungen von Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) und Links, wo diese zu erwerben sind. Ich weise ausdrücklich darauf hin: Es sind weder affiliate Links noch Kooperationen, noch Werbung noch bin ich mit einem der Unternehmen verbunden. Es ist nur recht mühsam, sich diese Produkte zu den Empfehlungen selbst zusammen zu suchen. Ich nenne also konkrete Produktnamen, um es Dir einfach zu machen. Auf der Nährstoffdichte und der Bioverfügbarkeit lag dabei das Hauptaugenmerk. Hier und da ist auch die Tatsache, dass die NEM aus Deutschland versandt werden und nicht im Zoll hängen bleiben auch ein Grund für die Nennung in diesem Artikel. Der NEM-Markt ist einigermaßen unübersichtlich, es gibt immer zig Alternativen und wöchentlich kommen neue hinzu. Bei der Nennung der Produktnamen war auch Preis/ Leistung ein Kriterium, bei besonders hoher Qualität (die manchmal den Preis teurer Produkte rechtfertigt) steht auch das dabei. Schickt mir gern Eure Tipps, so Ihr welche habt, bei der Fülle ist es auch für mich unmöglich, einen Komplettüberblick zu behalten.//

//Noch ein Disclaimer: Diverse Fachgesellschaften empfehlen außer Folsäure und Jod keine Nahrungsergänzungsmittel in der Schwangerschaft. Aus verschiedenen Gründen meiner langjährigen Erfahrung tue ich das dennoch. Mit Augenmaß und Blick auf die individuelle Situation. Ich ermuntere Dich ausdrücklich zu einem eigenverantwortlichen und kritischen Blick auf die Dinge. Aber NEM als Pille sind nicht deshalb böse, weil sie eine Pille sind. Manchmal ist es schlicht einfacher, kritische Vitalstoffe gezielt zu ergänzen, als die vielen einzelnen Vitalstoffe über eine konsequente und sehr bewusste Ernährung aufzunehmen.//

//Noch einer, liebe EU-Healthclaim-Verordnung: NEM ersetzen nicht eine gesunde und ausgewogene Ernährung und können sie nur ergänzen. Frage im Zweifel und sowieso Deinen Arzt oder Deine Hebamme um Rat.//

Dies hier soll nur eine übersichtliche Liste sein, in der ich nicht ausführlich auf die Funktion der einzelnen Stoffe eingehe. Also Checklistenstyle ohne viel kompliziert (obwohl es das in Wirklichkeit natürlich ist).

 

Hersteller, die besonders hochwertige (das heißt hier: Inhaltsstoffe mit hoher Bioverfügbarkeit) verwenden, sind etwa (subjektive und unvollständige Auswahl): Solgar, Life Extension, Source Naturals, Doctor´s Best, Now, edubily.

Webshops, in denen Du ein größeres Sortiment und verschiedene gute Hersteller findest (und mit Chance alles bei einem bestellen kannst) sind zum Beispiel:

Naturprodukte Shop

vitabay

terra elements

(und auch amazon, weil es so gut sortiert ist und der Versand natürlich ziemlich reibungslos klappt)

Noch was: Gute Nahrungsergänzung ist nicht billig, gutes Essen aber auch nicht. Insgesamt kannst Du locker mit insgesamt 2-4 Euro pro Tagesdosis rechen. Wenn Du das nicht möchtest oder kannst, brauchst Du an dieser Stelle tendenziell nicht weiterlesen. Die „A-Z-eine-für-alles-Pille“ aus dem Drogeriediscounter ist besser als nix, aber davon spreche ich hier nicht. Weiter unten gehe ich noch kurz auf Multivitaminpräparate (ob mit dem Zusatz: „schwanger“ oder ohne) ein.

Folsäure

Die Substitution von Folsäure wird von allen relevanten Fachgesellschaften empfohlen, warum das so ist, habe ich hier geschrieben. Ich empfehle eher, perikonzeptionell (vor dem Schwangerwerden und in den acht Wochen danach) eine ordentlich Dosis zu nehmen, hier sind offiziell 800 mcg empfohlen, und danach nichts mehr (nichts mehr als das, was Du über eine gesunde, ausgewogene Nahrung natürlich zu Dir nimmst).

Gute Folsäurepräparate (mit der bioaktiven Form 5-MethylTHF – Metafolin) sind zum Beispiel:

LIFE EXTENSION, OPTIMIZED FOLATE 1000 mcg

Solgar Folat 800 mcg

 

Jod

Ich bin grundsätzlich ein Freund davon, Nährstoffe über ihr natürlichen Vorkommen, also in Nahrungsmitteln zu mir zu nehmen. Bei einigen Vitalstoffen ist das schwieriger, bei anderen leichter. „Superfood“ nennt man Nahrungsmittel, die ganz naturgemäß besonders dicht bepackt sind mit Nährstoffen. Bei Jod ist das verhältnismäßig einfach: Algen sind ein tolles Jod-Superfood. Jod ist besonders wichtig für deine Schilddrüse, eines der zentralen endokrinen Organe. Eine Miso-Suppe mit ordentlich Algen drin, 2-3 mal die Woche ist zum Beispiel klasse. Wenn Du die eher alle zwei Monate mal isst, rede Dir das nicht mit „Miso-Suppe esse ich ja auch voll regelmäßig“ schön.

Kelp ist eine besonders jodhaltige Algensorte, das passende Extrakt gibts auch convenient als Pille zu kaufen, zum Beispiel dies hier:

vitabay Kelp/ Braunalge

terra elements Kelp Kapseln

 

Omega 3

Omega 3 ist eines der Super-Super-Stoffe, für und gegen alles. Im Ernst: In der Schwangerschaft ist diese ungesättigte Fettsäure besonders wichtig für die sich rasant entwickelndes Nerven- und Gehirnzellen Deines Babys. Aber natürlich auch für Dich: Eine Unterversorgung mit Omega 3 geht mit unter anderem statistisch mit erhöhten Inzidenzen für Frühgeburtlichkeit, Fehlgeburten, Präeklampsie (früher. Gestose) und Schwangerschafts- und Wochenbettdepressionen einher.

Eine gut bioverfügbare Quelle sind tierische Produkte aus der Kälte, etwa Kaltwasserfische wie Lachs oder Hering. Aber auch die muss man regelmäßig essen, fürs Omega 3 heißt das: 3 mal pro Woche eine Portion. Macht außerhalb Skandinaviens niemand, also solltest Du ergänzen, ungefähr 2-3 g DHA/ EPA pro Tag ist eine gute Dosis, bei Indikationen (etwa oben genannte Thematiken) das Doppelte.

Die vegetarische oder vegane Quelle ist Leinöl, hiervon benötigt Du wegen der schlechteren Bioverfügbarkeit allerdings eine ganze Menge: etwa 60 ml, und genau, das dann wieder: pro Tag, jeden Tag.

Omega 3 in guter Qualität und einer hohen DHA/ EPA-Konzentration bekommst Du zum Beispiel hier:

edubily omega 3 EPA/ DHA

vitabay omega 3

 

Vitamin D

Vitamin D ist das einzige Vitamin, dass über Nahrung nicht zuzuführen ist, es sei denn, Waltran steht auf Deinem Speiseplan. Vitamin D wird über die Sonnenbestrahlung direkt in der Haut gebildet. Im Frühling, Herbst und Winter – also hierzulande von Oktober bis April – ist der Einstrahlwinkel der Sonne durch die schräge Erdachse so, dass es physikalisch schlicht unmöglich ist, Vitamin D über die Sonne zu synthetisieren. Du solltest Vitamin D also ergänzen, wenn Du Deine Reserven nicht im Winterurlaub in Äquatornähe auffrischt.

Nach einer Untersuchung des Institutes für Ernährungswissenschaften an der Uni Gießen hatten 98 Prozent aller Schwangeren einen Vitamin-D-Spiegel, der im Mangel- oder Unterversorgungsbereich anzusiedeln ist. Auch im Sommer lagen 50 Prozent aller untersuchten Frauen noch darunter (das liegt an flächendeckender Sonnencreme. Ab Faktor 8 ist Schluss mit Vitamin-D-Bildung) .

In der Schwangerschaft ist Dein Vitamin-D-Bedarf erhöht. Die gängigen „Experten“ sind sich beim Vitamin D etwas uneins: Während die DGE 800 IE für ausreichend hält, zweifeln verschiedene Experten (u. a. Prof. Kunz am Institut für Ernährungswissenschaften Gießen, aber auch international, wie etwa die Vitamin-Task-Force der Endocrine Society) dies explit an. Das Institute of Medicine (IOM) gibt als unbedenkliche Obergrenze eine Tagesdosis von 4.000 IE pro Tag an, Embryotox, die von der Pharmaindustrie unabhängige Datenbank, nennt etwa 3.000 IE als sichere Dosis, die »Arbeitsgemeinschaft Gestose-Frauen« empfiehlt eine Substitution von 4.000 IE Vitamin D pro Tag im Winter für alle Schwangeren.

Den Vitamin-D-Spiegel kann man natürlich im Blut messen, einige Frauenärzte und Hebammen tun dies mittlerweile auch routinemäßig, denn danach lässt sich die notwendige Tagesdosis am sichersten bestimmen. Vitamin D kann gut auch in höherer Dosis alle paar Tage genommen werden, dann entsprechend mehr, falls Du das als einfacher empfindest.

Wenn Du Vitamin D substituierst, solltest Du sicherstellen, dass Du ausreichend Calcium zu Dir nimmst (das gilt vor allem für vegane Ernährung ohne Milchprodukte) und immer auch Vitamin K2 dazu nehmen. Hier wird es etwas kompliziert, nimm es erstmal so hin (oder lies es hier oder hier nach – wenn Dir das zu wissenschaftlich ist, scrolle nach ganz unten zum Kapitel „Interaktion mit Vitamin D“).

Der Autor dieser beiden Artikel ist Chris Michalk, Biologe und für mich in Deutschland „der“ Experte in Sachen Stoffwechselverständnis und Nahrungsergänzung. Sein edubily-Blog ist für alle Themen rund um das Körperverständnis eine wahre Fundgrube. Auf hohem Niveau, das ist für Laien sicher anspruchsvoll, aber wenn Du es genau wissen willst: Dort steht es genau und differenziert. Chris entwickelt und vertreibt auch einige wenige NEM-Produkte, zum Beispiel das Folgende.

Vitamin D und K2 in einem Kombipräparat im richtigen Verhältnis (zudem als Tropfen gut dosierbar) ist dieses:

edubily Vitamin D3 plus K2 Tropfen

 

Selen

Selen ist ebenso wie Jod durch die Eiszeiten in unseren heimischen Böden einigermaßen „ausgewaschen“, so dass wir auch hier in einem Mangelgebiet leben. Selen ist wichtig für die Funktion Deiner Schilddrüse und vieler weiterer Stoffwechselprozesse. Und es ist recht einfach über ein Selen-Spezial-Superfood zu ergänzen: Paranüsse. Wenn Du „ein Thema“ hast mit Deiner Schilddrüse oder mit „oxidativem Stress“ (auch ein Extrathema): Iss täglich 2-3 Stück davon und Du bist bestens versorgt.

 

Eisen

Beim Eisen ist es zumindest diagnostisch recht einfach: Dein Eisenwert wird über den Hb-Wert (Hämoglobin) in der Schwangerschaft regelmäßig bestimmt. Deshalb weißt Du hier, ob Du einen Mangel hast und kannst dann ergänzen, wenn es sinnvoll ist. Die therapiebedürftige Grenze, unterhalb derer eine Substitution empfehlenswert ist, liegt je nach Auslegung, dem Vorhandensein (oder nicht) von Symptomen und Deinem Ausgangs-Hb etwa zwischen 10,5 und 11,2 g/ dl. Dein Hb sinkt immer in der Schwangerschaft, es erhöht sich das Volumen des Plasmas zu den festen Blutbestandteilen ganz normalerweise. Und das soll auch so sein, damit das Blut schön flüssig ist.

Dein Arzt und Deine Hebamme werden Dich dazu beraten. Natürlich ist es möglich und sinnvoll, auch über die Ernährung am Eisenwert zu schrauben. Da geht es dann auch um Möglichkeiten, die Eisenaufnahme zu verbessern, etwa über Vitamin C zu eisenreichen Mahlzeiten. Da Dein Bedarf aber tatsächlich in der Schwangerschaft um 100 % ansteigt, ist Eisen einer der häufigen Vitalstoffe, deren Ergänzung als Präparat notwendig werden kann.

Wenn es notwendig ist, Eisen zu ergänzen, solltest Du wissen, dass es auch hier Unterschiede gibt: Unterschiedliche Eisenverbindungen sind unterschiedlich gut bioverfügbar und auch unterschiedlich in der Verträglichkeit. Herkömmliche Eisenpräparate (wie Ferro Sanol, Tardyferron, aber auch Kräuterblut) enthalten Eisen als II-Gluconat. Das kann bei empfindlichen Menschen Magenschmerzen und/ oder Verstopfungen verursachen. Wenn Du zu diesen Menschen gehörst, ist Eisen als Chelat oder Bisglycinat eine gute Alternative. Zum Beispiel diese:

Solgar Gentle Iron

Source Naturals Advanced Ferrochel

Now iron complex

 

Magnesium

Magnesium ist von allen Mineralien das »Supermineral«. Es spielt auf zellulärer Ebene eine wichtige Rolle für die Produktion und Bereitstellung des Energiespeichermoleküls ATP in den Mitochondrien. Alles, was in Deinem Körper im engeren oder weiteren Sinne mit »Energie« zu tun hat, braucht Magnesium.

In der Schwangerschaft ist Dein Magnesiumbedarf erhöht. Der große, wachsende Gebärmuttermuskel verbraucht viel davon. Wenn Du in eine Magnesium-Mangelsituation gerätst, sind die Symptome zum Beispiel eine Neigung zu Krämpfen, mehr Gebärmutterkontraktionen, Liderzucken. Auch bei Präeklampsien gehört es in die Reihe der sinnvollen NEM.

Ein Magnesiummangel ist über die Ernährung nicht so einfach auszugleichen, weil der Anteil pro gegessenem Lebensmittel dann doch eher niedrig ist. Wenn Du an verschiedenen Orten liest, wie magnesiumreich etwa Schokolade sei, stimmt das einerseits – Du müsstest allerdings vier Tafeln davon essen, um 550 mg (das wäre in etwa die therapeutische Dosis zur Behebung eines Mangels) zu Dir zu nehmen. Als Tagesdosis. Kann man natürlich machen … Vermutlich ist es auch nicht der „Magnesiumbdarf“, den Dein Körper Dir mit „Schokoladenjieper“ signalisieren möchte, so nach dem Motto: Der Körper holt sich schon, was er braucht. Aber das ahnst Du vermutlich auch irgendwie.

Weiterhin gilt Magnesium als „Salz der inneren Ruhe“ – und das klingt für die meisten Schwangeren ausgesprochen attraktiv. Es hat wichtige regulierende Funktionen für das Nervensystem, Deine Psyche und Deinen Schlaf.

Magnesium verursacht in höheren Dosen bei vielen Menschen Durchfall. Zudem kann Dein Körper nicht unendlich viel Magnesium auf einmal aufnehmen. Es ist daher sinnvoll, eine größere Magnesiumgabe zu verteilen. Wenn Du 400 oder 600 mg benötigst, weil Du etwa vorzeitige Wehen hast oder präeklamptische Symptome, solltest Du die Gesamtmenge auf 200 mg-Einheiten aufteilen, wegen der möglichen positiven Wirkung auf den Schlaf eher in der 2. Tageshälfte, probiere da durchaus einfach ein wenig herum, was sich gut anfühlt.

Und, mein Lieblingsmythos: Magnesium musst Du natürlich nicht absetzen, weil Du in der 36. SSW angekommen bist. Entweder brauchst Du Magnesium, weil Du Mangelsymptome hast, oder Du brauchst es nicht. Magnesium ist kein „Wehenhemmer“, der sinnvolle Geburtswehen blocken würde. Im Gegenteil: Wenn Du Wehen bekommst und Dein Baby gebärst, ist die große Stunde Deiner Gebärmuttermuskulatur gekommen. Und was braucht ein Hochleistungsmuskel, was braucht der Langstreckensportler, wenn er über sich hinauswächst: Dreimal darfst Du raten … Magnesium „lähmt“ nicht die Muskulatur, sonder koordiniert die Kontraktilität, so dass der Muskel funktional und ausdauernd arbeiten kann.

Wenn Du viel Magnesium in der Schwangerschaft genommen hast oder nehmen musstest, solltest Du es nach der Geburt nicht schlagartig absetzen. Es gibt Hypothesen zum so genannten Raynaud-Syndrom (eine – vermutlich genetische – Erkrankung mit einem Gefäßspasmus in den kleinen Blutgefäßen an den Körperenden; hier: an den Brustwarzen) in der Stillzeit, eine gar nicht so seltener Grund für sehr schmerzhaftes Stillen in den ersten Lebenstagen. Möglicherweise spielt hier ein schnell abfallender Mg-Spiegel eine Rolle, Du solltest das Magnesium in diesem Fall also noch eine bis zwei Wochen nach der Geburt weiternehmen und erst dann langsam runterdosieren.

Auch beim Magnesium gibt es verschiedene Salze mit unterschiedlicher Bioverfügbarkeit. Die Studienlage ist sich ein wenig uneins, welche Magnesiumverbindung nun die best-bioverfügbarste ist. Lange Zeit galt das Magnesiumcitrat oder -bisglycinat als dem Magnesiumoxid weit überlegen. Neuere Studien kommen nicht zu einem ganz einheitlichen Ergebnis, zudem hat jede Magnesiumart ihre Schwerpunktwirkung. Vermutlich ist also eine Mischung der unterschiedlichen Magnesia eine gute Idee, das erste der folgenden Präparate etwa ist eine Mischung aus Magnesiumbisglycinat, Trimagnesiumdicitrat und Magnesiumcarbonat.

edubily Magnesium mit Vitamin B6

Doctor´s Best High Absorption Magnesium

Life Extension Neuro-Mag

 

Probiotika

Der Hot Shit, das Neue Schwarz in der Medizin derzeit: Das Mikrobiom des Menschen. Also alles das, was da in uns und an uns dran so alles lebt und krabbelt. Nur 10 % aller Zellen, die einen Menschen bilden, sind humane Zellen. Alle anderen sind Bakterien (ich beschränke es mal darauf, wenn man Bakterien und Viren mitzählt, wird es völlig abstrus). 90 % von Dir sind Bakterien. Das mal bitte kurz auf der Zunge zergehen lassen. Natürlich ist es so einigermaßen einleuchtend, dass diese 90 % einen weitreichenden Einfluss auf den kleinen Rest, also Deinen eigentlichen Körper, haben.

Für die Schwangerschaft ist das deshalb von besonderer Bewandtnis, weil Dein Mikrobiom die Wiege des Mikrobioms für Dein Baby darstellt, Du es sozusagen schon in der Schwangerschaft und dann während der Geburt mit einer ordentlichen Portion lebenswichtiger Bakterien beimpfst. Je gesünder also deine Heimatflora ist, umso besser für Dein Baby.

Wahrscheinlich ist es also eine gute Idee, zumindest in den letzten Wochen der Schwangerschaft Deine Florae mit Probiotika zu unterstützen, wenn Du mit vorzeitigen Wehen, vaginalen Infekten oder einem Schwangerschaftsdiabetes zu tun hast oder Dein Baby ein schweres allergisches Erbe mitbekommt, durchaus auch schon früher.

Weil es so wichtig ist – bingo – ist natürlich ebenfalls ausführlich Thema in meinem Buch. Und hier demnächst vielleicht auch nochmal. Besonders geeignet sind Kombipräparate mit verschiedenen Bifidus- und Lactobazillen-Stämmen, ersteres ist mit resistentem Dextrin angereichert, einem Prebiotikum, der Lieblingsspeise Deiner „guten“ Bakterien:

edubily Darmflora Komplex

nupure probiflor

 

Eine Pille für alles – warum das nicht geht

Das versuchen natürlich viele Hersteller und bieten meistens auch derlei Präparate an, in der zutreffenden Annahme, dass eine Pille sich für die Zielgruppe irgendwie sympathischer anfühlt, als gleich zum Frühstück eine Hand voll NEM-Präparate einzuwerfen.

Einige machen sich dann noch mit „Trimenon 1-3“ ein bisschen wichtig. Was grundsätzlich nicht verkehrt ist. Allerdings geht es da meistens alleinig um die Folsäure, vergleiche mal die Inhaltsangaben. Die brauchst Du aber nur in den Wochen vor einer Schwangerschaft, wie im Folsäureartikel ja schon geschrieben, und in den wenigen Wochen danach, maximal bis zur 8. SSW. Danach ist sie in dieser expliziten Weise nicht mehr von Belang, als alle anderen Vitamine auch.

Eine Pille, schön praktisch: Wenn Du die obigen Mengen, die sinnvoll sind, zusammenzählst, passt das schlicht nicht in eine Tablette. Eine einzelne Tablette oder Kapsel kann ungefähr 2000 mg groß sein, damit sie noch schluckbar ist. Das passt da aber ganz einfach nicht rein.

Wenn man dann noch die Vitamine aus Superfoodextrakten gewinnen möchte, wird es endgültig eng. In ihrer natürlichen Umgebung sind Vitamine nicht nur besser verfügbar, es stehen auch hunderte Co-Factoren mit drumrum, Flavonoide, Polyphenole und Carotinoide zum Beispiel, die viele noch teilweise unerforschte positive Wirkungen haben. Die Acerolakirsche ist eben gesünder als die reduzierte Ascorbinsäure (Vitamin C).

100 mg Ascorbinsäure oder 2 g gefriergetrocknete Acerolakirsche? Das eine lässt sich mal eben in eine Multi-Pille packen, das andere nicht. Das eine ist zudem noch viel, viel billiger als das andere, für alles, was verkauft werden soll, natürlich ein zentrales Argument.

 

Multivitaminpräparate

Die meisten der Schwangerschaft-Multivitamin-Präparate sind also mehr oder weniger das Gleiche, wie ein banales Multivitaminprodukt aus dem Drogeriemarkt.

Die oben besprochenen Vitalstoffe sind die ausgewählten, die in der Schwangerschaft von besonderer Bedeutung sind. Natürlich gilt für alle Vitamine, Mineralien und Spurenelemente: Dein Bedarf ist in der Schwangerschaft erhöht, Dein Körper leistet absolut Fantastisches in der Zeit der Schwangerschaft und in der Stillzeit, in der Du weiterhin Dein Baby komplett aus Deinen Ressourcen ernährst (deshalb gelten identischen Empfehlungen also auch in der Stillzeit. Dein Mehrbedarf stoppt natürlich nicht mit dem Moment der Geburt).

Wenn Du gesund bist, bislang keinerlei relevanten Schwangerschaftskomplikationen mitbringst – entweder in dieser Schwangerschaft oder in denen davor (Schilddrüse, Gestationsdiabetes, vorzeitige Wehen, Plazentainsuffizienz, Präeklampsien, Fehlgeburten, Frühgeburten, Depressionen, um die wichtigsten zu nennen) brauchst Du bei einer gesunden und ausgewogenen Ernährung nicht viel mehr ergänzen.

Allerdings neigen Menschen alle dazu, die Qualität ihrer Ernährung zu überschätzen. Auch (oder gerade?) die Bio-Muddis (ich darf das sagen, ich bin selbst eine). Das behaupte nicht ich, sondern die Nationale Verzehrstudie, die guckt, was Menschen tatsächlich essen, und was das mit dem zu tun hat, wie sie denken, dass sie essen.

Die Forschungen aus der wissenschaftlichen Betrachtung der Vitalstoffe stammen im Wesentlichen aus der Sport- und Antiaging-Medizin. Dein Hochleistungssport ist im Moment das Schwanger-Sein, ein Kind hervorbringen.. Es hat also nichts mit komischen „Optimierungsgedanken“ oder „Tuning“ zu tun.

In manchen Situationen des Lebens ist es schwieriger oder umständlicher, sich konsequent „gesund und ausgewogen“ zu ernähren. Wenn Du also mit der „Gießkanne“ ein bisschen Multivitamin zu Dir nehmen möchtest, wären Multivitaminpräparate zusätzlich zu den oben ausführlich besprochenen schwangerschafts-besonderen eine Möglichkeit. Das kannst Du dann auch flexibel dosieren, mal wirst Du das Gefühl haben, Du brauchst es mehr, manchmal weniger. Und achte auf dieses Gefühl.

Das braucht dann allerdings nicht explizit ein Schwangerenprodukt. Die Ascorbinsäure aus dem dm-Markt ist die gleiche, wie von Femibion, Pregnavit oder wie sie alle heißen.

Diese beiden folgenden Produkte sind nach meiner Einschätzung gute Mix-Produkte. Ersteres etwas konzentrierter, davon wären 2 Tabletten die Tagesdosis, zweites enthält mehr Vitalstoffe aus Superfoodextrakten, braucht also, wie oben beschrieben, mehr „Masse“. Von dem „Mix“ wäre die Tagesdosis: 12 Kapseln.

life extension two per day 

life extension mix multivitamin 

 

Stillzeit

Viele Frauen setzen das „ganze Vitamingedöns“ nach der Geburt ihres Babys ab.

Vielleicht hilft da schon der Gedanke – … und wer oder was nährt und ernährt nun das geborene Baby, weiterhin und zwar noch eine ganze Weile? Du! Dein Körper versorgt nun weiterhin zwei komplette Menschen. Deine Muttermilch ist das beste Superfood der Welt und konzentriert aus Deiner Substanz alles das, was Dein Baby braucht. Und setzt da klare Prioritäten: Erst das Baby, dann die Mama, weil die ist ja schon groß und stark und kann mit vorübergehender Unterversorgung auch irgendwie klar kommen.

Nach Wochen oder Monaten allerdings spürst Du, dass sich diese „irgendwie“ dann auch ziemlich suboptimal anfühlt. Während Dein Baby immer dicker und dicker wird, fühlst Du Dich möglicherweise im wahrsten Sinne des Wortes „ausgelutscht“: Deine Haare fallen aus, Du vergisst den Satz den Du gerade sagen wolltest bist nur noch müde und erschöpft (Du googelst heimlich „Wochenbettdepression Spätform“), deine Schilddrüse fährt Achterbahn und Dein „Glow“ sah insgesamt auch schon mal leuchtender aus, in Kombi mit den Augenringen, die nicht immer nur dem Schlafmangel geschuldet sind.

In gewissem Rahmen ist das alles: Hello, willkommen im Reallife-Spätwochenbett! Aber dass Du Dich komplett als Schatten Deiner selbst fühlst – wenn das so ist, solltest Du Deine Nährstoffversorgung mal unter die Lupe nehmen (da käme auch noch Zink ins Spiel und die B-Vitamine, aber das kommt auch ein anderes Mal).

 

Ein konkreter Einnahmevorschlag

Wenn Du dem oben gesagten folgen kannst und willst, könnte die folgende Einnahme dabei heraus kommen. Das ist höchst subjektiv: Meine Empfehlung.

Morgens:

In der frühen Schwangerschaft bis zur 12. SSW: 800 mcg Folsäure

1 Kps. Kelp (Jod)

2 Kps. Omega 3 (mit je 300 mg EPA/ DHA)

ggf. ein Probiotikum

ggf. ein Multivitaminpräparat

ggf. Eisen

 

Abends

2 Kps. Omega 3 (mit je 300 mg EPA/ DHA)

Vitamin D3: von Oktober bis April einschließlich: (allermindestens)2.000-4.000 IE  pro Tag (oder eine entsprechend höhere Dosis alle paar Tage) plus ca 50 mcg Vitamin K2

ggf. Magnesium, je nach Symptomatik 200 – 600 mg, dann auch Calcium im Verhältnis Mg:Ca von 1:2 ergänzen.