Pflanzenporträt: Die Himbeere (Rubus idaeus)

02. Januar 2018

Himbeerblätter gehören nach traditionellem Hebammenwissen in die ganz allererste Reihe der unverzichtbaren Frauen- und Fruchtbarkeitskräuter.

Fast alle Frauen bekommen schon zu Beginn der Schwangerschaft von der besten Freundin eine angebrochene, übrig gebliebene  Tüte mit einem Rest dieser Kräuter geschenkt. „Die hier sind gut, die brauchst du!“ Aber was genau heißt das? Wozu genau sind sie gut? Himbeerblätter sind in der gesamten Schwangerschaft von Bedeutung. Schon beim Kinderwunsch sind sie Kraut, dass die Gebärmutterschleimhaut weich und aufnahmefähig für eine befruchtete Eizelle,  für dein Baby, machen soll. Demnach sind in der Blätter auch in den meisten Fruchtbarkeitstest oder auch „Nestreinigungstees“ enthalten.

Himbeerblätter können die Durchsaftung, so wird es in alten geburtshilflichen Büchern genannt, gut unterstützen.

Sie machen aus deiner Gebärmutter ein gemütliches, weiches Nest für Dein Baby.

Am Ende der Schwangerschaft geht es wiederum um das Weicher-Werden. Hier ist es nun das untere Uterinsegment, also der Gebärmutterhals und der Muttermund, die im Laufe der letzten Schwangerschaftswochen weicher und nachgiebiger werden. So kann Dein Baby tiefer nach unten rutschen und das Gewebe bereitet sich auf das Öffnen während der Geburt vor. Man könnte also sagen dein Baby kommt mit Himbeerblättern gut in deine Gebärmutter hinein und auch gut wieder heraus.

Wirklich geklärt ist die Wirkungsweise von Himbeerblättern auf wissenschaftlicher Ebene nicht. Es gibt keine wirklichen aussagefähigen Studien dazu. Ob die Blätter überhaupt etwas machen oder nicht, und wie genau sie wirken – auch darüber findet man wenig.

Ein interessanter Effekt könnte möglicherweise sein, dass Himbeerblätter eine stabilisierende Wirkung auf die Insulinresistenz und eine leicht blutzuckersenkende Wirkung haben.

Dieser Mechanismus könnte ein Erklärungsansatz sein, wie man die geburtsvorbereitende Wirkung möglicherweise verstehen könnte. Vielleicht hast du auch schon darüber gehört oder gelesen (in meinem Buch habe ich es näher erklärt), dass der Insulinstoffwechsel am Ende der Schwangerschaft tatsächlich wohl eine Wirkung auf die Geburtsreife hat. Einige Autoren gehen sogar soweit, dass sie empfehlen, am Ende der Schwangerschaft auf kurzkettige Kohlenhydrate zu verzichten, weil das möglicherweise einen günstigen Effekt auf die Geburtsreife und damit das in Gang kommen der Geburt haben kann. Ich gehe hier nicht näher darauf ein, weil es ein relativ komplexes extra Thema ist, werde das aber demnächst noch mal tun. (Interessanterweise war genau das heute in meiner #dienstagssprechstunde in der Insta-Story das Thema mit den meisten Nachfragen.)

Und wie soll man nun die Himbeerblätter als Tee trinken?

Wenn du dir den geburtsvorbereitenden Wirkung von den Blättern zu Nutze machen möchtest, ist es sinnvoll einen Tee aus dem Blättern zu kochen, ungefähr ab der 36. Schwangerschaftswoche kannst Du 1 – 2 Tassen davon trinken. In dieser Phase bereitet sich dein Körper natürlicherweise auf die Geburt vor, und genau diese Entwicklung unterstützt Du mit dem Himbeerblättertee. Gibt zwei gehäufte Teelöffel des Krautes auf einen großen Teebecher und lass den Tee 10 Minuten ziehen.

Himbeerblätter sind eher pelzig, sie haben einen feinen Flaum an der Blattunterseite. Dieser lässt die Blätter oft ein wenig „wollig“ zusammenhaften, keine Sorge, das gehört so (und es waren keine Motten im Tee). Himbeerblätter schmecken nicht etwa fruchtig (es sind ja auch die Blätter und nicht die Früchte, klaro eigentlich), sondern durch den recht hohen Gerbstoffgehalt relativ herb. Viel feiner schmeckt der Tee, wenn er frisch gekocht (Achtung Thermoskanne) und mit entkalktem Wasser zubereitet ist. Du kannst auch etwas Fruchtsaft oder Honig dazugeben, ganz nach Geschmack.

Mischen mit anderen Kräutern

Du kannst Himbeerblätter auch mit anderen Kräutern mischen, sei es aus geschmacklichen Gründen oder um die Wirkung mit der anderer Kräuter zu kombinieren. In meiner geburtsvorbereitenden Teemischung Guter Hoffnung 2  habe ich die geburtsvorbereitenden Himbeerblätter mit anderen, vor der Geburt ebenso wichtigen Kräutern und Aspekten verbunden. Einer dieser Aspekte ist zum Beispiel: Runterkommen! Auch Ängste oder Sorgen keimen oft in dieser letzten Phase noch mal auf. Was, wenn doch irgendetwas ist? Schaffe ich das alles? Die Geburt – und alles, was dann kommt? Die Nächte sind kurz und unterbrochen, das ist schon mal eine Vorbereitung auf die Zeit nach der Geburt. Hier sind Kräuter, die Körper und Seele entspannen, eine gute Ergänzung zu dem hohen Himbeerblätteranteil! Orangenblüte, Lavendel und Melisse und Johanniskraut sind einige davon. Sie verbinden sich in dieser Mischung und helfen, der Geburt weich und gelassen entgegenzusehen.

Wie auch immer und was die Wissenschaft dazu sagt: Wenn Dir der Tee schmeckt, ist es sicher eine gute Idee, das Ende der Schwangerschaft durchaus mit der einen oder anderen Tasse Kräutertee auch zu zelebrieren. Denn auch das ist sicher ein Teil der Wirkung: Das Ritualhafte, das Innehalten, das bewusste Vorbereiten, für sich zu sorgen, alle diese wichtigen Dinge. Auch das Gefühl, selbst etwas zu tun, um eine „gute Geburt“ zu erleben. Und selbst wenn es nur dazu gut ist (ich persönlich bin dennoch sicher, es ist viel mehr als das), ist das doch schon ganz wunderbar!

Hab eine ganz schöne letzte Schwangerschaftsphase, sie ist wichtig, weil danach Großes beginnt!