Was ist das? #2: XXL-Formate.

03. Oktober 2017

Mal wieder ein Artikel zum Thema: Warum hat mir DAS niemand erzählt? Auch der wieder von Deiner Hebamme, der Fachkraft für Körperflüssigkeiten aller Art.

Immer wieder erlebe ich, dass Frauen einigermaßen irritiert sind, über die Menge an Blut, die da nach der Geburt so aus einem herausläuft, mit der frau so vielleicht nicht gerechnet hat.

Auch die Farben, Konsistenzen und die Gesamtdauer der Blutung wären vielleicht noch eine Erwähnung wert. Und dafür braucht es plötzlich Binden in Ausmaßen, von deren Existenz man bislang gar nicht wusste. Und auch nicht wissen wollte vielleicht. Die Blutung nach einer Geburt hört auf den schönen Namen „Wochenfluss“.

Einigermaßen einleuchtend ist vermutlich, dass man nach Geburten vorläufig noch keine Tampons benutzt. Und da die Menge der Blutung, vor allem in der ersten Lebenswoche des Kindes so viel ist, deutlich mehr ist als regelstark, ahnt man möglicherweise bereits, dass irgendwas mit ultraslim nicht reicht. Mehr so die Sorte: dick und durstig.

Der Reihe nach.

Nach einer Geburt blutet man. Also frau. Im Wesentlichen aus zwei Quellen: Einmal ist an der ehemaligen Plazenta-Haftstelle nach deren Lösung so etwas wie eine Wunde entstanden, die extrem gut durchblutet ist (dort haben die mütterlichen Gefäße ja das komplette Baby gut versorgt). Die Kontraktion der Gebärmutter nach der Geburt (durch die so genannten Nachwehen) führt schon mal relativ schnell zu einer Blutstillung. Aber in den ersten 48 Stunden nach einer Geburt schwappt es ziemlich doll aus einem raus. Wenn Du zum ersten Mal pinkeln gehst und nach ein paar Stunden hinreichend kreislaufstabil bist, sieht die Dusche hinterher möglicherweise ein bisschen splattermäßig aus. Nicht erschrecken, das ist total normal. Am besten legst Du zwei dieser Binden im Bild oben (die werden Dir im Krankenhaus übrigens gleich total diskret auf Deinen Nachttisch gestapelt) übereinander. Damit Du diese Dinger überhaupt in Deiner Unterhose unterbringen kannst, sind auch die gleich ein paar Nummern größer. In der Klinik gibt es dazu wenig hübsche Netzhosen aus echt fiesem Material. Zuhause finde ich nen Schwung Oma-Schlüpfer aus Baumwollfrottee (ausnahmsweise bei kik oder so im Dreierpack kaufen), zwei, drei Nummern größer als sonst. Sind gemütlicher als diese komischen Einmalhöschen.

Nach dieser ersten Blutstillung wird Dein Körper aber nach und nach die saftige Gebärmutterschleimhaut los, die dann nun in den nächsten etwa drei Wochen aus Dir heraussickern, Blutungsquelle Numero 2.

In den ersten Tagen blutest Du also kräftig, rot, blutig, mehr, als bei einer Menstruation. Dann wird die Menge langsam aber sicher weniger, die Blutung heller, mal rosa, mal bräunlicher, immer nochmal mit schwungweise frischem Blut, etwa dann, wenn Du auf der Toilette warst, gestillt hast (Stillen löst Gebärmutterkontraktionen aus) oder Deinen ersten Spaziergang unternommen hast.

Du brauchst also für das Wochenbett große, dicke Binden, die Du am besten auch schon vor der Geburt besorgst, damit dein Mann nicht am Abend der Klinikentlassung kurz vor Ladenschluss in der Drogerie ratlos vor einem 3-m-Bindenregal steht. Gut benutzen kann man dazu so genannte „Vlieswindeln“, die Du im Windelregal findest (nicht bei den Binden). Inkontinenzeinlagen haben zwar eine passende Größe, sind aber verhältnismäßig teuer. Kliniken verwenden häufig die SAMU von Hartmann, die gibts auch bei amazon. Wichtig ist hier: So schlicht wie möglich, am besten nur Watte und Zellstoff. Keine Folien, und vor allem auch keine Multiabsorber-Gel-Innenleben. Über deren Auswirkung auf Deine Haut- und Vaginalflora (und damit Deiner Wundheilung) schreibe ich in meinem Buch und sicher demnächst hier auch nochmal in nem Extra-Artikel.

Der Muttermund verschließt sich nach einer Geburt übrigens relativ schnell wieder. Das hat zur Folge, dass sich manchmal auch Blut in der Gebärmutter sammelt und mit Schleimhautresten oder auch kleinen Eihautfitzelchen zusammen gerinnt. Das bildet zusammen dunkelrote Klumpen, die manchmal beachtliche Größen annehmen können, so dass sie nicht sofort aus Deiner Gebärmutter durch den Muttermund herauslaufen können. Nicht erschrecken, wenn dieses geronnene Blut, die Hebamme nennt es „Koagel“, plötzlich auf der Toilette aus Dir herausplumpsen. Manchmal sieht das ein bisschen unheimlich aus, „wie Leber“ nennen Frauen das dann oder auch „ich glaube, da kam noch die halbe Plazenta mit raus“. Beides wird nicht zutreffen, auch das ist ganz normal. Berichte beim nächsten Hausbesuch Deiner Hebamme davon. Sie wird Dich dann genau nach Form, Farbe, Konsistenzen befragen. Auch wenn es vielleicht ein bisschen ungewohnt ist, da so ins Detail zu gehen, sind es doch für Deine Hebamme wertvolle Hinweise, um die Rückbildungsvorgänge Deiner Gebärmutter gut beurteilen zu können. Wichtig also.

Spätestens nach etwa 10 Tagen ist die Blutung meist schon so wenig geworden, dass Du auf kleinere Binden umsteigen kannst. Weil man die Binden insgesamt ja ziemlich lange trägt, viel länger als etwa bei einer Menstruation, reagieren Frauen nicht selten mit empfindlicher Haut. Durch die feuchtwarme Verpackung fühlt sich die Haut wund an oder alles juckt und brennt. Deshalb sind  Binden aus Stoff für die zeit ab der zweiten-dritten Woche tatsächlich eine Überlegung wert. Keine Sorge, das ist viel weniger „hardcore-öko“, als Du denkst, und es gibt sie auch mit hübschen Mustern, zum Beispiel hier. Mittlerweile habe ich das zig-mal empfohlen und viele Frauen sind wirklich begeistert. Fühlt sich einfach viel besser an auf der Haut.

Und etwa nach insgesamt drei-vier Wochen ist bis auf eine gelegentliche Schmierblutung die Blutung dann vorbei, Deine Plazentawunde verheilt und deine Gebärmutter annähernd wieder so klein, wie sie einmal war. Unglaublich, was der Körper in so kurzer Zeit alles kann! Wann Du dann das erste Mal wieder mit Blutungen, also deiner ersten Menstruation rechnen kannst, davon erzähle ich ein anderes Mal.